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Opportunistisches versus Populationsbezogenes Screening

 

Grundsätzlich wird unterschieden zwischen dem

  • opportunistischen Screening: Weitgehend unkoordinierte Früherkennung, die hauptsächlich auf eigenen Wunsch oder aufgrund einer ärztliche Entscheidung erfolgt und dem
  • organisierten Screening: Früherkennung im Rahmen eines organisierten Screeningprogramms, das sich an eine weibliche Altersgruppe einer Region bzw. eines Landes richtet.

Opportunistisches „graues Screening“


Das in Österreich übliche opportunistische „graue Screening“ wird von Radiologen im niedergelassenen Bereich durchgeführt. Dabei bestehen keine Unterschiede zwischen einer Verdachtsabklärung und einer Früherkennung. Auf Basis der Daten der Krankenkassen werden in Österreich jüngere Altersgruppen (< 40 Jahre) überproportional oft in radiologische Praxen zur Mammographie-Untersuchung überwiesen (Überversorgung). Das Mammographie-„ Screening“ wird dementsprechend entweder von überweisenden Gynäkologen für jüngere Frauen empfohlen oder von den älteren Frauen (> 50 Jahre) nicht wahrgenommen, weil diese zumeist auch den Besuch beim Frauenarzt unterlassen (Unterversorgung).

Die Überversorgung jüngerer Frauen im Rahmen einer Brustkrebsfrüherkennung ist angesichts des durch die Strahlenexposition bedingten Risikos kritisch zu hinterfragen. Gleichzeitig belegen aktuelle österreichische Studien eine Unter- bzw. Fehlversorgung in fortgeschrittenen Altersgruppen:

  • In den Altersgruppen 50 - 54 Jahre bzw. 60 - 64 Jahre wurden bei 15 Prozent der befragten Frauen vier oder mehr Mammogramme innerhalb eines zweijährigen Zyklus erstellt (Vutuc 1998).
  • In den Altersgruppen 60 - 64 Jahre bzw. 65 - 69 Jahre geben immerhin 45 bzw. 51 Prozent der Frauen an, noch nie an einer Früherkennungsmammographie teilgenommen zu haben (Vutuc 2002).

 

Zentrale Kritikpunkte an dem gegenwärtigen opportunistischen Screening sind:

  • die fehlende Dokumentation und Evaluation,
  • die nicht vorhandene Trennung zwischen Früherkennungsuntersuchung und Abklärungsmammographie,
  • die dezentrale Organisationsstruktur ohne Einladungssystem sowie
  • mangelnde Qualitätskontrollen hinsichtlich der ärztlichen Leistung als auch der technischen Systeme.

Populationsbezogenes, organisiertes Screeningprogramm


Das Mammographie-Screeningprogramm nach EU-Leitlinien zielt auf eine breitangelegte Verdachtsabklärung bei gesunden Frauen ab. In zweijährigen Intervallen werden aus der Zielgruppe (50 bis 69 Jahre) diejenigen Frauen herausgefiltert, die an einem bisher symptomlos verlaufenden Brustkrebs erkrankt sind.

 

Qualitätsindikatoren

Das systematische Screeningprogramm basiert auf folgenden zentralen Mindeststandards:

  • Anspruchsberechtigung für alle 50- bis 69-jährigen Frauen
  • Bevölkerungsbezogenes Einladungsmanagement auf Grundlage der Meldedaten mit genauer Zeit- und Ortsangabe
  • Räumliche und/oder zeitliche Trennung der Screening-Abläufe von der kurativen Diagnostik
  • Durchführung der Mammographie-Untersuchung unter standardisierten, möglichst identischen Bedingungen durch eine RTA
    Doppelbefundung der Screening-Mammographien (mindestens 5.000 Frauen pro Befunder jährlich) durch zwei unabhängige Radiologinnen/Radiologen
  • Supervidierte Drittbefundungen der ersten 3.000 Fälle durch Programmleiter/-leiterin
  • Teamarbeit und interdisziplinäre Kooperationen in Form von interdisziplinären prä- und postoperativen Konferenzen
  • Doppelbefundung der präoperativen histologischen Präparate
  • Qualifizierung aller in der Screeningkette tätigen Personen vor Aufnahme ihrer Tätigkeit sowie jährliche Performancetests
  • Feststellung der Intervallkarzinome zur Beurteilung der Sensitivität
  • Kontinuierliche technische Qualitätskontrolle durch ein unabhängiges Referenzzentrum zur Sicherung einer optimalen Bildqualität und einer minimalen Strahlenbelastung
  • Konsequente Dokumentation, Evaluierung und Controlling der Screeningkette
  • Überprüfung der Qualität der gesamten Screeningkette durch die bundesweite Koordinationsstelle

Die EU-Leitlinien stellen die kontrollierbare Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität in den Mittelpunkt. Unbestritten ist, dass ein organisiertes, qualitätsgesichertes Mammographie-Screeningprogramm die effektivste Methode zur Erkennung von Brustkrebs in einem frühen Tumorstadium ist. Die strikte Einhaltung der EU-Leitlinien sichert den Nutzen bei gleichzeitiger Minimierung des Strahlenrisikos. Wie aus anderen europäischen Screeningprogrammen bekannt geht mit der Einführung des qualitätsgesicherten Früherkennungsprogramms auch eine Verbesserung der Versorgung erkrankter Frauen einher.

 

Quellen:

Vutuc C. et. al: Prevalence of self-reported screening mammography and impact on breast cancer mortality in Austria. In: Wien klinische Wochenschrift 110/13-14 1998, S.485-490

Vutuc C. et al. Survival of women with breast cancer in Austria by age, stage and period of diagnosis. In: Wiener klinische Wochenschrift 144/12 2002, S.438-422

European Commission: European Guidelines for quality assurance in Mammography screening 3rd edition, 2001

ÖBIG: Mammographie-Screening Austria. Konzept für ein bundesweites Mammographie- Screeningprogramm (Publikation), Wien 2004


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